Forum Allmende
HOME    KONTAKT    IMPRESSUM

LITERATUR ZUR REGION

 

Oswald Burger (Hg.):
Die Preisträger des Bodensee-Literaturpreises der Stadt Überlingen seit Beginn (1954) und ihre Laudatoren. Eggingen: Isele 2010. 502 S.


Seit den Sammlungen „Wort am See“ und „Wort am See II“ aus den Jahren 1960 bzw. 1970 wurden die Lobreden auf die Träger des ältesten und traditionsreichsten Literaturpreises am Bodensee nur noch ausnahmsweise und verstreut gedruckt. Hier nun vereint ein umfangreicher Sammelband alle Laudationes auf die 36 Preisträgerinnen und Preisträger aus Deutschland, der Schweiz und aus Vorarlberg und ermöglicht so zugleich ein literarisches Profil der Bodenseeregion über ein halbes Jahrhundert hinweg.





Bestellen
Emanuel von Bodman: Buch der Kindheit.  Herausgegeben von Walter Rügert, mit einen Vorwort von Zsuzsanna Gahse. Frauenfeld/Stuttgart/Wien: Huber 2009. 231 Seiten. 

Im Auftrag der Thurgauischen Bodman-Stiftung gibt Walter Rügert die Werke ihres Namensgebers (1874-1946) in Jahresabständen neu heraus. Stand schon bisher die Prosa im Vordergrund, so folgt nun als sechster Band Bodmans „Buch der Kindheit“. Den Plan zu einer autobiographischen Darstellung von Kindheit und Jugend hatte Bodman schon früh gefasst, doch schoben sein dramatischer Ehrgeiz und die Gedichtproduktion seinen Plan lange hinaus. So konnte die Figur des Knaben Siegmund erst in den vierziger Jahren zur Spiegelfläche der so subtil wie eindringlich geschilderten Erinnerungen an die Friedrichshafner Kindheit bzw. an die Emmishofer Knabenjahre werden. Erstmals erschienen ist Bodmans „Buch der Kindheit“ 1952 im Rahmen der zehnbändigen Werkausgabe, die Karl Preisendanz im Auftrag der Witwe Clara bei Reclam herausgab; Walter Rügert hat jedoch auf die (abweichende) handschriftliche Manuskriptfassung im Nachlass zurückgegriffen und dem Band ein informatives und illustriertes Nachwort beigegeben. 





Bestellen
Christof Hamann, Siegmund Kopitzki (Hrsg.): Hermann Kinder. Eggingen, Edition Isele 2008. 252 S.

Den Schauplatzwechsel zwischen Bodensee und Köln kennt der Leser schon aus Hermann Kinders letztem Roman „Melaten“. Nun vollzieht ihn sein Autor nach. Rechtzeitig zu seiner Pensionierung und zu seinem Wegzug nach Köln legt die Edition in ihrer Reihe „Porträt“ einen Band zu Hermann Kinder vor, der 1972 sein Studium an der Universität Konstanz abschloss und hier seit 1974 als Akademischer Rat lehrte. Christof Hamann und Siegmund Kopitzki haben zu seinem Abschied einen opulenten Band zusammengestellt mit Beiträgen und Stimmen von Literaturwissenschaftlern, Freunden und Kollegen, unter vielen anderen Alexander Honold, Peter Braun, Martin Walser, Klaus Modick, Karlheinz Ott, Arnold Stadler, Aleida Assmann und Peter Renz. „Lieber Hermann“, schreibt sein Verleger Gerd Haffmans unter Anspielung auf einen Titel Kinders, „Du gehst nach K.? / Du mußt nur die Laufrichtung ändern / Dann kommst Du wieder nach K“. Vielleicht bleibt Hermann Kinder dem See ja doch noch ein bisschen erhalten…





Bestellen
Albert M. Debrunner: Literaturführer Thurgau.

Frauenfeld/Stuttgart/Wien, Huber, 2008. 182 S. Literarisch und kulturell gilt der Kanton Thurgau seit jeher als „Holzboden“. Dem scheint nun der Basler Lehrer und Literaturkenner Albert Debrunner, dessen Vorfahren einst aus dem Thurgau ausgewandert sind, widersprechen zu wollen, und er tut es mit einigem Erfolg für alle Epochen zwischen Minnesang und Gegenwart mit Engagement und viel Sachkenntnis. Es „leppert sich“ nämlich; besonders, wenn man die Aufenthalte, Zuzüge und Importe dazu nimmt. Auch wenn man am Schluss ein Register vermisst (dafür gibt es ein kleines „Lexikon“ der behandelten AutorInnen) – man wird die als Routen ausgearbeiteten Kapitel zwischen Ittingen und Arbon, Ermatingen und Hauptwil mit Gewinn durchstreifen – sei es lesend oder real.





Bestellen
Walter Rügert/Peter Salomon (Hrsg.): Konstanz - ein Gedicht. Eine Sammlung von Gedichten aus 12 Jahrhunderten. Konstanz, Stadler (2006).

mit Illustrationen von Hermann Kinder Die Sammlung umfaßt 50 exemplarische Gedichte von 46 Verfassern.





Bestellen
Jörg Magenau: Martin Walser. Eine Biographie. Rowohlt Verlag, Reinbek 2005, 624 Seiten. "

Freunde und Bekannte, denen ich von meiner Arbeit erzählte", so Magenau über den Plan seiner ausführlichen Walser-Biographie, "betrachteten mich häufig mit einem strengen Stirnrunzeln (…). Zu Walser hatten alle eine Meinung, und jeder glaubte ihn zu kennen (…) Selten dauerte es lange, bis die Paulskirchenrede erwähnt wurde, von der im Publikum ein vages Schlußstrichgefühl zurückgeblieben ist". Die ebenso denken, haben nun guten Grund, die erste ausführliche Biographie über einen der wichtigsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur zur Kenntnis zu nehmen: in ihr wird kompetent, gut lesbar und mit einer gelungenen Mischung aus Sympathie und Distanz der "ganze Walser" präsentiert, den eine teilweise skandalös tendenziöse Berichterstattung in den letzten Jahren zum Buhmann aufgebaut hat. Magenau zeigt und einen Walser, der noch immer einer unserer wichtigsten und formulierungsmächtigsten Autoren ist, der selbst dort, wo man ihm nicht folgen möchte, erregender und faszinierender ist als seine Kritiker.





Bestellen
Ekkehard Faude: Fritz Mühlenweg – Vom Bodensee in die Mongolei. Eine biographische Annäherung an den Drogisten, Asien-Reisenden, Maler und Autor. Lengwil: Libelle Verlag 2005, 203 Seiten.

Als der Maler und Schriftsteller Fritz Mühlenweg (1898-1961) aus Anlaß seines 100.Geburtstages in Konstanz mit einer großen Kunstausstellung geehrt wurde, schlug Libelle-Verleger Ekkehard Faude im Nachwort zu dem in seinem Verlag erschienenen Katalog-Bildband ("Fritz Mühlenweg – Malerei", 1999) erste Fäden zu einer ausgreifenden Biographie. In seine nun als Buch vorliegende Biographie hat Faude die Ergebnisse seiner langjährigen Beschäftigung mit dem vielseitigen Erzähler und Übersetzer eingebracht, dessen Werk in seinem Verlag inzwischen in sieben Ausgaben vorliegt. Behutsam und viele Quellen und Aspekte ausschöpfend, nähert sich Faude Mühlenwegs abenteuerlichem Leben, um dem einst als Jugendbuchautor Gehandelten eine generationenübergreifende Aktualität zurückzugeben, biographische Bezüge zwischen lokaler Herkunft und treibendem Fernweh herzustellen und ihn schließlich in eine Vorläuferlinie zu Autoren wie Saint-Exupéry, Theroux und Chatwin zu rücken.





Bestellen
Franz Michael Felder: Aus meinem Leben. Lengwil: Libelle 2004. 340 S.  
 
 „Die sanft atemberaubende Lebensgeschichte eines Bauernjungen, der sich an die Buchstaben verlor. Einer, der sich aus der Enge des Bregenzerwalds wegdachte, abends zusätzlich als Weber und Schindelmacher arbeitete, damit er sich Zeitungen und Bücher kaufen konnte. Lesen galt noch als verderblich, im Dorf wurde er lange als Sonderling beargwöhnt. Was er dann schrieb, erregte Bewunderung bis nach Leipzig. Die Machtzirkel seiner Vorarlberger Heimat bekämpften ihn als freidenkerischen Publizisten und Sozialreformer“ (Klappentext). – Die bewundernswerte Lebensdarstellung des Mannes, der am Beginn der modernen Literaturentwicklung Vorarlbergs steht.



Ulrike Längle/Helmut Swozilek (Hg.), "Aus tausend Spiegeln sehe ich mich an". Paula Ludwig 1900-1974. Dichterin. Malerin. Katalog zur Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum. Bregenz 2004 312 S.

Aus Anlaß des 100. Geburtstages der aus Vorarlberg stammenden Exilantin Paula Ludwig (1900-1974) hatte das Vorarlberger Literaturarchiv, das ihren Nachlaß verwahrt, ein wissenschaftliches Symposion zu der Dichterin und Malerin veranstaltet, dessen Beiträge nun in dem Katalog zur Ausstellung nachzulesen sind, die ihr das Vorarlberger Landesmuseum anlässlich ihres 30. Todestages in diesem Jahr widmet. Die Beiträge beschäftigen sich mit Paula Ludwigs Verhältnis zu Yvan Goll, zum Element des Mystischen in ihrer Dichtung, mit dem Umfeld der Zeitschrift "Kolonne", ihrer Autobiographie "Buch des Lebens", einer psychoanalytischen Sicht ihrer "Traumlandschaft", ihrem bildnerischen Werk sowie ihrem Nachlaß. Den Katalogteil bildet ein 100seitiger Abbildungs- und Dokumententeil und ein annotiertes Exponatverzeichnis mit Bibliographie. Damit ist nun erstmals Gelegenheit gegeben, Person und Werk außerhalb des skandal- und affärenträchtigen Umfelds von Claire und Yvan Goll wahrzunehmen und Paula Ludwig als wichtige Dichterin und erstaunliche Malerin zur Kenntnis zu nehmen.





Bestellen
Norbert Jacques, Mit Lust gelebt. Kommentierte, illustrierte und erweiterte Neuauflage. Hg. von Hermann Gätje, Germaine Goetzinger, Gast Mannes und Günter Scholdt. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2004, 600 S.

"Wenn es für die Neuauflage eines Erinnerungsbuchs zur Literaturszene am Bodensee nach 1900 Zeit wurde, dann für dieses mit dem wunderbar treffenden Titel. Sein Autor, u .a Erfinder der berühmten Figur des Mabuse, ist in den letzten Jahren dank der Bemühungen des Mitherausgebers Günter Scholdt der Vergessenheit wieder ein Stück weit entrissen worden. Mit dieser Herausgabe jedoch hat er nicht nur den 50. Todestag des Luxemburger Autors zum Anlaß genommen, sein wohl bestes Buch wieder aufzulegen; zusammen mit seinen Mitstreitern hat er die Autobiographie des Bestsellerautors, Reisebesessenen und Genußmenschen auch durch Hunderte von Abbildungen in den Zusammenhang seiner Zeit gestellt, kenntnisreich erschlossen und um zentrale aussagekräftige Passagen eines zweiten, bisher unveröffentlichten autobiographischen Bandes erweitert. Herausgekommen ist dabei nicht weniger als ein kleines und so spannend wie amüsant zu lesendes Kapitel europäischer Kulturgeschichte.





Bestellen
Oliver Benjamin Hemmerle, "Der Arme Teufel". Eine transatlantische Zeitschrift zwischen Arbeiterbewegung und bildungsbürgerlichem Kulturtransfer um 1900. Münster/Hamburg/London: Lit Verlag 2002. 264 S.
 
Als Jahresgabe 2004 gibt Forum Allmende eine Textsammlung des in Vergessenheit geratenen Schriftstellers Robert Reitzel (1849-1898) heraus, der in den USA von 1884 an den "Armen Teufel" redigierte. Ergänzend hierzu weisen wir auf eine pressegeschichtliche Studie hin, die ein Porträt dieser Zeitschrift versucht. "Der arme Teufel" hat es wie kaum eine andere verstanden, die große Zahl deutscher Einwanderer mit Literatur vertraut zu machen und sie über ihre Entwicklung in Deutschland auf dem Laufenden zu halten. Zugleich war der vierzehntäglich erscheinende "Arme Teufel" ein Sammelpunkt der freiheitlich Denkenden, in dem Reitzel als Hauptautor für Emanzipation jeder Art und wider moralische Heuchelei stritt. Der Band erlaubt einen Blick auf das lebendige deutschsprachige Element in den USA, bevor es mit dem Ersten Weltkrieg seine ehemals große Bedeutung fast ganz verlor.





Bestellen
Albert M. Debrunner, Freunde, es war eine elende Zeit! René Schickele in der Schweiz 1915-1919. Frauenfeld/Stuttgart/Wien: Huber 2004. 320 S.

Der Begriff des Exils verbindet sich im allgemeinen mit der Zeit des Nationalsozialismus. Doch auch der Erste Weltkrieg kannte schon ein Exil, das sich in der Schweiz besonders mit den Orten Zürich, Bern und Thun verband. Ins Zentrum dieses Phänomens zielt der "bekannte Unbekannte" René Schickele, der damals mit den "Weißen Blättern" eine der wichtigsten expressionistischen Zeitschriften herausgab und nach 1919 in Badenweiler mit dem Gesicht nach Frankreich lebte. Debrunner versteht den Deutsch-Franzosen zurecht als Kronzeugen des Exils und zeichnet seinen Weg zwischen 1915 und 1919 – Zürich, Untersee, Bern und Uttwil – dank einer Auswertung aller Schriften, des Briefwechsels und sonstiger Materialien penibel nach. "Vieles von dem, was Schickele in dieser Zeit erlebte, weist bereits auf das voraus, was nach 1933 geschehen sollte" – als der Dichter bereits in seinem zweiten, französischen Exil lebte.





Bestellen
Irene Ferchl, Wilfried Setzler, "Mit Mörike von Ort zu Ort". Lebensstationen des Dichters in Baden-Württemberg Stuttgart: Silberburg-Verlag 2004. 320 S.

Lebensstationen eines Dichters in Baden-Württemberg zu präsentieren – bei wem wäre das "ergiebiger" als bei Eduard Mörike. Sein 200. Geburtstag bietet gute Gelegenheit, die Lebensorte des Dichters (und was sich daran knüpft) nachzuvollziehen - sei es als wirkliche oder Kopfreise (zu beidem eignet sich der vorliegende Band). Sowohl in der Schilderung der beiden Autoren als auch in Briefen, Zitaten und Gedichten Mörikes entsteht eine "geographische Biographie", die große Teile des deutschen Südwestens berührt und in zahlreichen Abbildungen der Zeit einem Dichterleben zu exemplarischen Konturen verhilft.





Bestellen
Jochen Greven, Robert Walser - Ein Aussenseiter wird zum Klassiker. Abenteuer einer Wiederentdeckung. Lengwil: Libelle 2003. Ca. 300 Seiten

Im »du«-Heft über Robert Walser (Oktober 2002) wurde bedauert, dass ein hochinteressanter Erinnerungstext von Jochen Greven nur als Typoskript unter Walser-Freunden kreise. Hier ist er, für die Buchform überarbeitet und erweitert. Erzählt wird in persönlichem Ton, in selbstkritischer Offenheit, immer wieder auch in nachgetragener Rage, eine schwierige, aber glücklich endende Erfolgsgeschichte: die spannende, nachhaltig erarbeitete und an menschlichen Begegnungen reiche Wiederentdeckung eines vergessenen Schweizer Autors. Und wie dieser Walser zum Klassiker der europäischen Moderne wurde.