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Rezensionen

  Hermann Kinder
Berthold Auerbach.
Einst fast eine Weltberühmtheit. Eine Collage.

Klöpfer & Meyer, 2011

Der Band ist bemüht, Auerbachs Lebensmitschrift möglichst viel von der Fülle der Erlebnisse und Erfahrungen, der Lebensumstände, der inneren Einstellungen und Konflikte zu belassen. Dabei zog Kinder einer Auswahl, wie sie in solchen Fällen üblich ist, eine Collage aus wörtlichen Übernahmen und Nacherzählung vor. Dieser „stereoskopische“ Wechsel der Perspektive vom Ich zum Er erlaubt ihm, sich „als Kollege“ neben Auerbach zu stellen; beider Stimmen lassen sich auch als Dialog über die Zeiten hinweg lesen. Zugleich erlaubt sich Kinders Nacherzählen Rückgriffe auf die Sprache Auerbachs – ein „Test“ auf ihre Tragfähigkeit heute.
 
Was die weitreichenden Kürzungen an Informationsfülle notgedrungen schuldig bleiben, sucht Kinder durch Kommentare und Erläuterungen auszugleichen. Einige der über 300 Fußnoten gerieten ihm dabei zu kleinen Essays. „Mag er als Romancier vergessen sein“, so Kinders Resümee, „als kämpfender Humanist, Liberaler, Demokrat darf er es nicht. Und gewiss nicht als jüdisch geborener Deutscher, der auf die Versöhnung von Juden und Deutschen fest vertraute“.

Manfred Bosch, „Vergebens gelebt und gearbeitet!“ Badische Zeitung, 2. 4. 2011

  Felicitas Andresen
Fichte im Bett

Drey-Verlag 2011 

„Fichte im Bett“ ist eine Art literarisches Road-Movie über den Untersee, die Höri und den Hegau. In 13 Kapiteln werden während eines Jahreszeiten-Zyklus detailgenau kleine Ortschaften, mittlere Kleinstädte sowie deren Menschen und spezifische Besonderheiten beschrieben. Diese sind jedoch lediglich Kulisse für eine bitter-süße, mitunter durchaus erotische, aber vor allem humorvoll-skurrile Liebesgeschichte. Der ideale Leser ist der „Senior mit Abitur“.
 
Heike Strate, Literarisches Road-Movie. Südkurier, 5. 2. 2011
 
Früher hätte man das, was Felicitas Andresens Schreiben ausmacht, vielleicht Mutterwitz genannt. Heute spricht man von temperamentvoller, gestenreicher Prosa mit sehr viel Drive: verblüffend jung für das vermutete Alter der Autorin. Auf das von ihr selbst mit gewisser Koketterie avisierte ideale Lesepublikum der Senioren mit Abitur dürfte sich der Kreis der „Fichte“-Fans keineswegs beschränken. Da bläst ein frischer Wind vom Bodensee.
 
Bettina Schulte, Der Glöckner vom Bodensee. Badische Zeitung, 12. 7. 2011

  Armin Ayren
Der Reiter im Vorgebirge

Drey-Verlag 2009

Oh ja, Armin Ayren ist ein Könner, und er ist ein Kenner. Er weiß sehr genau, wie es um die Formen des Erzählens bestellt ist, wie man einen inneren Monolog führt, eine Szene nach allen Regeln der Kunst entwirft, wie man in einer Geschichte vom steinigen Acker der Alltagswirklichkeit hinüberkommt zu den dunstigblauen Höhenzügen des Fantastischen, des Mythischen gar, worin sich dann, gebrochen durch Perspektive und Metapher, die Wirklichkeit, das Leben halt, in schillerndem Lichte zeigt. Und Ayren ist dort, wo er seine speziellen Stoffe aufgreift, ein Kenner. Dies gilt insbesondere, wenn es ihm um klassische Musik, um Musiker, um Komponisten geht. Was solche Könnerschaft und Kennerschaft schriftstellerisch ans Licht zu bringen vermögen und wie sie einander ab und zu auch ein wenig im Wege stehen, lässt sich jetzt in Ayrens neuem Erzählungsband „Der Reiter im Vorgebirge“, erschienen in der Reihe Forum Allmende des Gutacher Drey-Verlags, sehr schön beobachten.

Rainer Wochele, Das Leben ein unbegreiflicher Witz. Stuttgarter Zeitung, 25. 3. 2009

Armin Ayren, gescheit und kritisch, gebildet und belesen, hat zwanzig neue Erzählungen zu einem Bändchen zusammengestellt, das unterschiedliche Sinne anspricht und unterschiedliche Arten von Vergnügen bereitet [...]. Man wird gescheiter durch die Geschichten des gebürtigen Häflers, man lacht und wird irritiert: zwanzig Anlässe zum Weiterspinnen. Das ist keine geringe Leistung.

Oswald Burger, Kritisch und belesen. Südkurier, 4. 7. 2009

  Elisabeth Rupp
Im Zweige. Erlebnis einer Jugend

Isele 2005  

Den Gefährten Erde und Himmel gewidmet, war ihre autobiographische Erzählung bereits im Jahre 1922 im Verlag Seldwyla erschienen. Es ist der literarischen Gesellschaft Forum Allmende zu verdanken, dass mit der Wiederauflage des Buches der Juristin, Schriftstellerin und Ethnologin Elisabeth Rupp (1888-1972) ein Text vorliegt, in dem virtuos und kraftvoll, aber auch poetisch und einfühlsam Stationen und Phasen eines bemerkenswerten Lebens beschrieben werden. (…) Es ist dieses Changieren in der Darstellung der verschiedenen Lebenswelten, das die Lektüre so inspirierend macht. Als weitere Facette tritt eine Scheu, eine vorsichtige Annäherung an Themen hinzu, die auch das Leben der zweimal promovierten Rupp herausfordern: Kontinuierlich eingewoben sind psychologisch-philosophische Reflexionen über die Liebe, die Männer einerseits und den Drang nach dem Ausleben der künstlerischen Potenziale andererseits.

Eva Grundl, Südkurier, 12. Januar 2006 
 
(…) Nun begreift man auch den seltsamen Buchtitel: „Im Zweige“. Er kann eigentlich nur bedeuten, dass der Mensch, der hier von sich erzählt, in dem Gefühl lebte, immerfort auszuzweigen, ständig wie ein Baum neue Äste und Zweige zu treiben und damit permanent neues Wachstum hervorzubringen, das einen wieder und wieder vor die Wahl stellt, sich zu entscheiden.
 
Kurt Oesterle, Schwäbisches Tagblatt, 20.12.2005 

Die unerbittliche Selbstbefragung und das Bekenntnis zur Natur sind ganz wesentliche Elemente in der Autobiographie von Elisabeth Rupp, die jetzt als Neuauflage mit einem Nachwort von Hermann Bausinger in der Edition Isele erschienen ist: „Im Zweige“. Der Untertitel „Erlebnis einer Jugend“ verweist schon darauf, dass es in diesem 1922 erstmals veröffentlichten Buch weniger um eine chronologische Erzählung von unbeschwerter Kindheit in Oberschwaben und Jura-Studium in Straßburg, Leipzig und Berlin geht, sondern eher um das Wachsen einer Persönlichkeit – von den Zeitgenossen wurde es neben und sogar über Hesses „Unterm Rad“ gestellt. Jedenfalls ermöglicht diese Publikation die lohnende Begegnung mit einer in der Öffentlichkeit zu wenig bekannten Wissenschafterin und Schriftstellerin.
 
Irene Ferchl, literaturblatt für baden und württemberg, Heft 3/4, 2006

   "Alemannisches Judentum.
Spuren einer verlorenen Kultur".

Hg. von Manfred Bosch.
Edition Isele 2001

Ein gewichtiges Werk (...). Entstanden ist eine Annäherung über den Einzelfall. Neben historischen Längsschnitten und Momentaufnahmen stehen Erinnerungsbilder und Selbstzeugnisse, neben einzelnen Schicksalen, die exemplarisch wurden, die Befragung von Zeitzeugen und Aufsätze über das jüdische Leben heute. Die Konzentration auf das Lokale und Regionale, auf das Überschaubare Fallbeispiel führt zu einem hohen Maß an Authentizität.
Anne Overlack, Verlorene Kultur, in: Stuttgarter Zeitung, 14. 11. 2001

Der Sammelband "Alemannisches Judentum. Spuren einer verlorenen Kultur" behandelt in bislang einmaliger Ausführlichkeit die Geschichte der Juden in Baden-Württemberg, Vorarlberg, der Deutschschweiz und im Elsaß. Die einzelnen Beiträge zeichnen sich durch Lesbarkeit und durch ihren hohen, wissenschaftlich fundierten Informationswert aus. Das Buch kann schon jetzt als Standardwerk zu diesem Thema gelten.
Albert M. Debrunner, Von Strassburg bis Jerusalem, in: Dreiland-Zeitung Nr. 35/ 2001

Ein gewaltiges, gewichtiges Buch mit vielen Aspekten und Ergebnissen, aber auch unzähligen Anregungen für die weitere regionalgeschichtliche Forschung.
Martin Ruch in Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für
Mittelbaden 82. Bd. 2002, S. 716

Das vorliegende Buch darf ohne Bedenken als die bisher umfassendste und eindrucksvollste Gesamtdarstellung des alemannischen Judentums angesprochen werden
Karl Heinz Burmeister, in: Montfort 54, 2002, Heft 3, S. 236

Dabei leistet der Band bedeutend mehr als der Titel zunächst verspricht: Er begibt sich nicht nur auf die Spurensuche nach Juden in einer bestimmten Region, vielmehr erzählt er die Geschichte des Landjudentums – einer Gruppe die ansonsten häufig in der Literatur vernachlässigt wird.
Karin Kails, Spurensuche: Deutsche Landjuden, in: Aufbau, 22. 8. 2002
 

Das Buch zeichnet sich aus durch die profunde, detailreiche Kenntnis der Materie, die spannend und lebendig erzählt wird (...). Es werden auf dramatische Weise jene Verluste offensichtlich, die der wütende, besinnungslose Suizid deutscher Kultur zu verantworten hat.
Eva Grundl, Auf der Spur von Menschen und Schicksalen, in: Schaffhauser Nachrichten, 22. 11. 2001
 

Die häufigsten Empfindungen beim Durchblättern des Bandes und beim Lesen beliebiger Artikel, gleich über welchen Pfad man eingestiegen ist, sind das Staunen über die Vielfalt und Tiefe der Kultur der alemannischen Juden und der ohnmächtige Zorn auf die Kulturbanausen und Mörder, die ihr den Garaus machten.
Oswald Burger, Misslungenes Zusammenleben, in: Südkurier, 9. 11. 2001
 

Es dürfte wohl für wenige deutsche Regionen ein in so vielfältiger Hinsicht umfassend unterrichtendes Werk geben. Jüdisches Leben, jüdische Kultur und die Geschichte, die mit der Vertreibung und Auslöschung durch die Nationalsozialisten endet, sind unter den verschiedensten sozialen und kulturellen Gesichtspunkten dokumentiert.. Die einzelnen Aspekte fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen, wie man es sich lebendiger und informativer kaum vorstellen kann
Armin Ayren, Für immer verloren, in Badische Zeitung, 14. 7. 2001

  Tami Oelfken
Fahrt ins Chaos
Ein Logbuch aus Zeiten des Kriegs.


Libelle 2003 

Zu entdecken ist eine Autorin von Rang – und ein berührendes, erschütterndes Dokument von Zivilcourage und trotziger weiblicher Selbstbehauptung in barbarischen Zeiten.
Martin Halter, Badische Zeitung, 30. 12. 2003
 

Tami Oelfken, die unter den Nazis nicht mehr Erzieherin sein durfte, war auch Dichterin, das verrät jede Seite ihres „Logbuches“. Es sind nicht nur die genauen Beobachtungen der Zeitzeugin, die die Lektüre eindrücklich machen. Oelfken schafft mit ihrer Sprache und Erzählweise eine dichte Atmosphäre, die ihre Erinnerungen ungeheuer lebendig machen.
Andrea Herzig, Südkurier, 1. 4. 2004

Tröstlich, dass gelegentlich Bücher neu erscheinen, deren Wiederentdeckung sich wahrhaft lohnt. Tami Oelfkens „Logbuch aus Zeiten des Kriegs“, so der Untertitel, gehört entschieden zu ihnen. Der kleine Schweizer Verlag Libelle hat es jetzt abermals veröffentlicht. Es ist das einzige lieferbare Buch dieser Autorin, und es sollte in keinem Bücherschrank fehlen, der irgend noch auf sich hält.
Jürgen Dierking, Weser Kurier, 24. 1. 2004
 

Herausgeber und Verlag verdanken wir bereits mehrere kulturgeschichtliche Wiederentdeckungen vom Bodensee (…). Diese hochgebildete, in der europäischen Literatur beheimatete Frau, mit wachem Gewissen und großer Sensibilität für Anstand, steuert in tagebuchartigen Aufzeichnungen ihren Kurs durch die Jahre 1939 bis 1945 (… ). Sie wechselte ihren Wohnsitz von Berlin an den Bodensee und versuchte sich mit erstaunlicher Produktivität vom Schreiben zu ernähren. Aber nachdem die Nazis Kultur und Sprache raubten – sie wird 1942 zusätzlich mit Publikationsverbot belegt - , sind ihre Möglichkeiten gering, sie muss still halten. So beginnt sie im Krieg am geistigen Wiederherstellungswerk zu arbeiten, damit Deutschland frei und europäisch werde.
Rainer Erb, Das Parlament, 2./9. 2. 2004

Tami Oelfken geriet ins Abseits, schlimmer noch: in Vergessenheit. Dass ihre „Fahrt durch das Chaos“ jetzt wieder verfügbar ist, zumal mit einem fundierten wissenschaftlichen Anhang, wirkt wie eine Wiedergutmachung.
Kristine von Soden, Deutschlandfunk, 12. 1. 2004

Niemand kennt mehr diese Frau, die gegen jede bornierte Obrigkeit kämpfte – und dafür von allen verfolgt wurde: im Wilhelminischen Reich, von den Nazis, von den vermeintlichen Sozialisten der DDR, dann von den kalten Kriegern im Adenauer-Land. So wird eine tapfere Frau und bedeutende Autorin ins Vergessen getrieben, die sich selber als „aristokratische Sozialistin“ verstand… Im verblendeten 20. Jahrhundert sind viele zugrunde gegangen – doch wenige auf so beschämende Art wie diese unbeugsame Frau...
Rolf Michaelis in: DIE ZEIT, 2. 12. 2004

Oelfkens "Logbuch aus den Zeiten des Krieges", wie es im Untertitel heisst, ist ein bedeutendes Zeitdokument und zugleich eine großartige literarische Leistung. Die Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken, um die es geht, sprechen uns heute, nach 60 Jahren, so frisch und lebendig an, als schreibe da eine Zeitgenossin.
Jochen Greven auf der Meersburger "Gesprochenen Anthologie", 19. 11. 2004

Oelfkens "Fahrt durch das Chaos" gehört zu den wichtigen und mutigen, ja eindringlichen Aufzeichnungen über eine Zeit, in der "geschrieben Gedankenfreiheit" das Leben kosten konnte. Ähnlich dem Schicksal der Klemperer-Tagebücher überlebte das Logbuch nur durch List, gute Freunde und immer neue Verstecke...
Heidi Hirschberg in: literaturblatt für Baden und Württemberg, Nov./Dez. 2004

  Robert Reitzel
"Ich will nur auf einem Ohre schlafen, damit ich keinen Weckruf zur Freiheit verpasse..."
Forum Allmende Band 4, Textauswahl.


Karin Kramer Verlag 2004 

Aus den Tiefen der anarchistischen Geschichte taucht das blütenweiß gebundene Buch mit dem schönsten Titel der Saison auf: Robert Reitzel: "Ich will nur auf einem Ohre schlafen, damit ich keinen Weckruf zur Freiheit verpasse"...
Jochen Knoblauch in: Graswurzelrevolution, Dez. 2004/2005
 
Robert Reitzels Texte sind fraglos eine Entdeckung, genauer eine Wiederentdeckung… Seine Texte schildern nicht nur ungeschminkt den Alltag im Migrantenmilieu, sie stehen vor allem für die radikale Skepsis gegenüber absoluten Wahrheiten. Statt der Zwänge vorgegebener Ordnungen rückt Reitzel das Ich und sein Erleben in den Blick. Das macht ihn modern und seine "Feuchtfröhlichkeit" verleiht ihm auch sehr menschliche Züge
Badische Zeitung, 16.12.2004
 
Von seiner Sorte hat das Wiesental nicht viele: Ein glühender Verehrer von Freiheit und Demokratie, ein unabhängiger Geist, ein glänzender Schreiber, ein feuriger Redner und ein Spötter von hohen Graden. Vielen gilt er als eine Art "kleiner Bruder" von Heinrich Heine - und dennoch ist er in seiner Heimat nahezu vergessen: Robert Reitzel.
Werner Müller in: Markgräfler Tagblatt (Schopfheim), 18.01.2005